Alles was wir uns wünschen ist in Uns

Interview mit Fernanda Brandão

Die schöne Brasilianerin Fernanda Brandao ist als bezaubernde Entertainerin und rassige Workout-Trainerin bekannt. Im Interview mit CHAPEAU-Reporter Lars Görg im Hamburger Hotel Henri zeigt sie sich darüber hinaus als politischer Kopf, der die Menschen in den Regenwäldern am Amazonas tatkräftig unterstützt.

CHAPEAU ― Fernanda, Du bist multitalentiert. Du singst, tanzt, schauspielerst, moderierst und schreibst. Als was bezeichnest Du Dich selbst?

Fernanda ― Die meisten kennen mich sicher als Entertainerin. Ich habe ja mit Tanz und Musik angefangen, mit 16 Jahren kam der Sport hinzu. Heute erreiche ich mit meinem Sport-Training über die neuen Medien viele Menschen. Aber noch wichtiger sind mir Interessen, von denen bisher nur sehr wenige wissen. Ich bin aufgeschlossen, abenteuerlustig und sehr reisefreudig. Im Vordergrund stehen für mich stets die Menschen, die ich treffe.

Bei dir ist ja wirklich alles sehr schnell gegangen. Mit 16 hast Du begonnen?

Angefangen habe ich schon mit elf, da hatte ich meinen ersten Auftritt mit Gage. Mit 16 war ich bereits die jüngste lizensierte Trainerin Deutschlands. Eigentlich darf man hier die Lizenz erst im Alter von 18 Jahren machen. Aber damals hat niemand geahnt, dass ich minderjährig war, und so flutschte ich durch.

Wahnsinn – mit elf als Tänzerin neben Enrique Iglesias und Ricky Martin auf der Bühne zu stehen. War das für Dich nicht die Erfüllung eines Traumes?

Nein. Für mich war das nie ein Traum. Ich komme aus einer Künstlerfamilie und habe gesehen, wie viel Arbeit und Leidenschaft im Künstlerdasein stecken. Trotzdem konnte meine Familie nicht davon leben. Insofern war es für mich schon ein Segen zu wissen, wie ich Geld verdiene. Ich hatte schon als Kind eine gewisse Berühmtheit und habe gespürt: Das ist auch nicht alles. Ich wollte Sinnvolles tun. Andererseits war ich immer schon voller Lebensfreude und musste erst herausfinden, dass Sinnvolles durchaus mit Spaß verbunden werden kann und wichtige Themen dadurch nicht weniger wichtig werden. Ob es nun um Frauenpower oder Menschenrechte geht – gesellschaftspolitische Themen kann ich auch mit Freude und Liebe im Herzen vermitteln.

Ist es Glück, dass du von deiner Arbeit leben kannst, oder die Folge besonderen Könnens?

Bestimmt hat der Erfolg auch mit der Qualität meiner Arbeit zu tun. Wichtig ist aber auch die Bereitschaft, viel zu geben und auf vieles zu verzichten. Ich gebe zu, immer auch kommerziell gedacht zu haben. Vielen guten Künstlern fehlt dazu die Bereitschaft. Du musst immer abliefern – und je mehr du arbeitest, desto größer werden deine Chancen auf Erfolg. Nicht die Besten sind am erfolgreichsten, sondern die Fleißigsten.

Bist du auch in deiner Heimat Brasilien prominent, oder bist du dort die liebenswerte Frau, die viel Gutes tut?

Oh, dankeschön [lacht], das hast du nett gesagt. Aber: weder, noch. In Brasilien fühle ich mich in erster Linie als Kind meiner Familie. Ich genieße es, dort nicht prominent zu sein. Ich kann allein mit Rucksack an die entlegensten Orte reisen. Die Indianer im Regenwald betrachten mich mittlerweile als Teil ihrer Familie. Das ehrt mich unglaublich! Ich soll jetzt auch nach einem indianischen Ritus getauft werden, einen indianischen Namen bekommen. Das ist mehr, als ich mir je habe vorstellen können. Ich dachte, wir kommen dort hin und finden heraus, welche Hilfsmittel die Menschen im Regenwald wirklich benötigen, beschaffen die und unterstützen die Leute bei der Anwendung. Dass ich mich aber selbst dabei finde, ist das größte Geschenk.

Hast du selbst indigene Wurzeln?

Ja, mütterlicherseits in fünfter Generation. Das ist meine indigene Seite. Wir Brasilianer sind ein Mischvolk. Ich glaube, in meinem Blut fließt alles. Ich habe portugiesische Vorfahren, afrikanische und libanesische.

Du bist als Kind mit deiner Mutter nach Deutschland gekommen. War das fremd oder ein großes Abenteuer?

Damals war ich neun. Lustigerweise hatte ich noch in Brasilien ein Gedicht über Deutschland geschrieben, mit recht genauen Vorstellungen davon, was mich er- wartete. Ich hatte geschrieben, dass die Leute hier ruhiger, konzentrierter sind und dadurch vielleicht auch etwas unspannender. Ich kam in einem sehr frostigen November her und spürte zum ersten Mal in meinem Leben Kälte. Ich dachte, mir frieren die Hände ab! Aber ich wusste auch, dass meine Mutter und ich dieses Abenteuer als Team meistern werden. Und ich habe früh gelernt zu kämpfen für das, was ich will. Dafür bin ich sehr dankbar.

Du hast schon früh viel Mut bewiesen. War es ein schwieriger Eingewöhnungsprozess?

Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Leider. Sogar an Gewalt gewöhnt sich der Mensch, was ganz furchtbar ist. Aber was sollen Menschen in Kriegsgebieten auch ande- res tun? Sie leben damit so normal wie möglich. Mit allen erdenklichen Vorsichts- maßnahmen. Angst und Panik würden sie sonst auffressen. Menschen in Gebieten mit schlimmen Konflikten leben oft viel intensiver. Das habe ich in verschiedenen Teilen Südamerikas, aber auch im Libanon und in Israel festgestellt. Ich war erschro- cken über die allgegenwärtige Gefahr und Gewalt – und erstaunt über die intensiven Feiern, die allgemeine Lebensfreude. Wenn jederzeit etwas passieren kann, will man das Leben jetzt genießen.

Vor dem Hintergrund der „metoo“-Debatte: Bist du mitunter in schwierige Situationen geraten?

Ich habe nie Belästigungen oder gar Missbrauch erfahren oder mich zu Dingen drängen lassen müssen, die ich nicht wollte. Weder künstlerisch noch privat. Und ich möchte jetzt nicht missverstanden werden: Aber wir Brasilianerinnen haben ein ganz anderes Verhältnis zum Flirten, zum Sich-Zurechtmachen, zur Sexyness. Brasilianerinnen sind sich ihrer Weiblichkeit bewusst und gern verführerisch. Sie legen es auf nichts an, aber es liegt etwas in der Luft. Das gehört für uns dazu, und in Brasilien nennt uns deswegen niemand Schlampe. Wichtig ist, dass Frauen für sich sprechen. Viel zu lange mussten Frauen schön sein, den Mund halten und die eigene Persönlichkeit unterdrücken, damit sie geheiratet werden, Kinder bekommen und ein Dach über dem Kopf haben. Ich glaube, dass die Frauen im Hintergrund schon immer die Fäden gesponnen haben und eigentlich das stärkere Geschlecht sind, aber das hat ihnen vor 50 Jahren noch nichts genützt. Heute kann schon ein tiefer Ausschnitt Männer um den Verstand bringen. Ich bekenne mich voll und ganz zur Gleichberechtigung, sehe die Verdienste des Feminismus, sage aber trotzdem: Hey, um eine Meinung zu vertreten, muss ich mich doch nicht wie ein Mann anziehen! Die Welt braucht mehr weibliche Qualitäten, mehr Liebe, mehr Wärme, mehr Fürsorge.

Warum wird ein Land wie Brasilien immer noch von Männern dominiert?

Brasilien ist sehr komplex. Seit der Fußball-WM haben wir eine riesengroße Blase erlebt. Da sind Bauten erstanden, die niemand mehr braucht. Wir haben Korruption und Kriminalität in unvorstellbaren Ausmaßen erlebt. Unser ehemaliger Präsident sitzt im Gefängnis, kandidiert aber für die Wiederwahl. Wenn ein Land wie Brasilien vor einem solchen Scherbenhaufen steht, riesige Geldsummen zweckentfremdet werden und kleinere Summen erst recht nicht ihr Ziel erreichen, kannst du dir vorstellen, wie es indigenen Völkern im Regenwald geht. Für die interessiert sich kein Mensch. Dort wo ich immer hinfahre, warten die Menschen seit drei Jahren auf einen Stromanschluss. Interessanterweise ist bei den Indianern das Verhältnis von Mann zu Frau das glei- che wie bei uns. Die Frauen bekommen die Kinder, kümmern sich um das Haus, das Essen, die Wäsche, das Putzen, die Ernte, das Kunsthandwerk. Und die Männer besorgen das Spirituelle, gehen zur Jagd und bauen die Häuser. Aber heute wird gar nicht mehr viel gejagt, und Häuser baut man auch nicht jeden Tag. Alles in allem machen die Männer sich durch Arbeit nicht kaputt, sind jedoch die Anführer. Aber soll eine junge Frau aus Deutschland den Männern erklären, was hier alles falsch läuft und künftig anders funktionieren wird? Das ist Unsinn, so kann ich dort nicht auftreten. Ich bin dankbar, dass diese Menschen meine Hilfe angenommen haben. Ich hatte ja keinerlei Erfahrung in der Sozialarbeit, sondern bin mit Willenskraft und Motivation dorthin gefahren und habe gefragt: So, was braucht ihr? Schnell kam ich auf das Hauptthema Wasserversorgung. Die Indianer haben dazu keinerlei Zugang, obwohl sie mitten im größten Süßwasserreservoir der Welt leben. Die Indianer sind überwiegend sehr jung, sich aber ihrer Traditionen und Kultur bewusst. Das wollen sie unbedingt bewahren. Allein das unvorstellbar große Wissen über Pflanzen und Kräuter. Wir zerstören ja nicht nur den Regenwald, sondern auch die Apotheke und natürlich den Wasserkreislauf der Welt. Ich glaube fest daran, dass es mit diesen jungen und engagierten Menschen möglich ist, eine Verbindung von ihrem sehr alten Wissen zu unserem Knowhow zu schaffen. Nicht nur um deren, sondern auch um unser Habitat zu erhalten.

Wie viel Geld brauchst du für diese Projekte?

Ich brauche unendlich viel Geld. Ich brauche Filmmaterial, um zu dokumentieren, was ich dort tue. Um mit diesem Film wiederum mehr Geld zu bekommen. Ich habe vor zwei Jahren zusammen mit der Wasserinitiative „Viva con Aqua“ erste Ausstellungsprojekte in der Hamburger Millerntorgallery gestartet, in der Malzfabrik in Berlin ging es weiter. So versuchen wir die Menschen in die fremde Welt mitzunehmen. Wo die Vorstellungskraft nicht ausreicht, muss Fühlen an die Stelle rücken. Allerdings sollen die Besucher angesichts der Schönheit des Regenwaldes die Probleme nicht aus den Augen verlieren. Wir haben ein Buch gemacht, einen Film, und beides zeigt nicht nur die Schönheit des Regenwaldes, sondern ganz eindringlich auch die Probleme der dort lebenden Menschen. Letztes Jahr habe ich Weihnachten im Regenwald verbracht – ohne etwas zu essen! Da gab es keine Toilette, kein Trinkwasser, keinen Strom. Die Menschen beklagen sich nicht, also habe auch ich mich nicht beschwert. Aber ich hatte Tränen in den Augen und daran gedacht, dass auf der ganzen Welt so viele Nahrungsmittel weggeworfen werden – und wir hier an Weihnachten nichts zu essen haben. Am nächsten Tag habe ich einen Plan aufgestellt: für ein sehr kleines Dorf und für ein größeres Dorf, das vergleichsweise schon entwickelt ist. Beide haben keinen Zugang zu Trinkwasser, und ich beschloss, hier die ersten Brunnen zu bauen. Das Programm sieht so aus: Schritt eins, ein Brunnen. Schritt zwei, Stromversorgung. Ich rede nicht von Strom für Fernseher oder Kühlschränke. Aber wenn der Tag um 17 Uhr endet, braucht es ein minimales Grundlicht. Natürlich sagen mir viele, bring ihnen einen Generator, Taschenlampen und Batterien. Doch davon ist nichts nachhaltig. Die brauchen dann ein Boot, um dorthin zu kommen, wo es Batterien oder Sprit für den Generator zu kaufen gibt. Für Sprit und Batterien brauchst du auch wieder Geld. Da beißt sich die Katze in den Schwanz. Deshalb schaffe ich Dinge, die nachhaltig sind. Ein Brunnen ist nachhaltig, genau wie Stromversorgung durch Sonne, Wind oder Wasser. Schritt drei, die Ernährung. Der Boden im Regenwald ist nicht fruchtbar, zumindest nicht für die Boden- und Feldfrüchte, die unsere Landwirtschaft kennt. Du brauchst also spezielle Kenntnisse über Forst-Agrarwirtschaft. Und damit komme ich zur Bildung. Aber ohne die Grundversorgung ist es schwer, die Menschen für Bildung zu begeistern.

Zweiter Versuch: Wie viel Geld kostet dich das?

100.000 Euro habe ich von meinem privaten Geld dort hinein gesteckt. Vieles auf Basis von Deals: Ich bekam eine Liste mit Werkzeugen, die gebraucht wurden. Gut, habe ich gesagt: Hier ist eine Liste mit Dingen, die getan werden müssen. Erledigt die Aufgaben, fotografiert die Ergebnisse, schickt mir die Fotos – und ich schicke Euch die Werkzeuge. Ich habe alle Versprechen eingehalten.

Nehmen die Kollegen im Show-Business deine Anliegen ernst oder für das übliche Charity-Getue?

Die Meinung anderer ist für mich nicht ausschlaggebend. Ich unterstütze auch Projekte hier in Deutschland, über die ich nicht sprechen werde. Manchmal spreche ich über meine drei Patenkinder in Brasilien, denen ich die Schulausbildung finanziere. Das alles muss niemand wissen. Für mich ist nur wichtig, dass ich helfe und dabei mit Menschen in Kontakt komme, die echte Hilfe leisten. Mit „Viva con Aqua“ oder mit der „Arche“ arbeite ich gern zusammen. Und ich war schockiert, was es mitten in Deutschland, wie viel Elend es in Berlin gibt! Wir müssen gar nicht über die Dritte Welt reden. Über die Hauptstadt Deutschlands reicht schon.

Spenden zu sammeln, scheint dir nicht so wichtig zu sein…

Mir geht es um das Machen. Die zwei Dörfer sind ein Pilotprojekt, insgesamt geht es um 36 Dörfer. 7000 Menschen in Brasilien, 3000 Menschen in Peru. Was ich leiste, ist Hilfe zur Selbsthilfe. Brunnen, Elektrizität und Bildung sollen von irgendwann einmal 10.000 Menschen weiter getragen werden. Das geht nicht ohne Geld. Ich glaube aber, dass Taten mehr erreichen als Worte. Und wenn ich bald Resultate vorweisen kann, erreiche ich meine Ziele. Ich schreibe gerade ein Buch darüber und muss nicht um Spenden bitten, wenn ich viel Wichtigeres erzählen kann. Menschen, die mir wirklich helfen wollen, werden auch so den Weg zum Spendenkonto finden.

Sind bei den Regenwald-Völkern Alkohol und Drogen ein Thema?

Es gibt über 200 unterschiedliche Stämme unter den indigenen Völkern. Da darf man nicht pauschalisieren. Viele wurden vertrieben, manche vernichtet. Diese Menschen sind auch nicht pauschal unschuldig an allem was passiert, aber sie sind sehr rein. Sie haben keine Bildung genossen, somit einen sehr eingeschränkten Zugang zum Arbeitsmarkt, wenn sie in die Stadt kommen. Und, ja, sie greifen dann auch zu Alkohol und Drogen. Ein jüngster tragischer Fall: Ein neunjähriger Junge hat sich das Leben genommen, weil er es in der Welt der Weißen nicht ausgehalten hat. Der Stamm, mit dem ich arbeite, hat großes Glück gehabt. In den achtziger Jahren hat ein Führer dieses Stammes einen großen Lotteriegewinn gemacht und das Land gekauft, auf dem der Stamm lebt. Das gibt einen gewissen Schutz vor Vertreibung. Aber Brasilien hat ein Gesetz, wonach dir dein Land weggenommen werden kann, wenn es darunter Bodenschätze gibt. Bisher ist alles gut gegangen.

Hast du angesichts dieses Leids überhaupt noch Lust, selbst einmal Kinder in die Welt zu setzen?

[Vollkommen überrascht, fast entrüstet:] Ja! Wir brauchen eine neue Generation, die anders denkt. Warum sollte die Arbeit an der Linderung von Problemen meinen Optimismus schmälern? Im Gegenteil! Die neue Generation wird ganz anders aufwachsen, Wissen anders teilen und hoffentlich dann auch anders an den Problemen dieser Welt arbeiten. Ich verurteile deshalb auch das Internet nicht, obwohl ich mir der Schwierigkeiten, die daraus entstehen, bewusst bin. Es ist an uns, Kindern einen gesunden Umgang mit Internet und Smartphone zu vermitteln. Aufhalten können wir die Entwicklung sowieso nicht. Aber wir können sie lenken, beeinflussen und die Nutzung kanalisieren.

Kommt dir das Showbusiness mitunter etwas oberflächlich vor?

Gar nicht. Man kann ein fröhlicher Mensch sein, Spaß haben und trotzdem auf die weniger schönen Seiten schauen. Hingehen, anpacken, helfen. Das Leben besteht sowieso aus Dualität. Wir können Licht nur erkennen, wenn es auch Dunkelheit gibt.

Ist Hamburg dein Zuhause?

Ja, seit 1992. Ich bin Brasilianerin, mir dessen sehr gern bewusst, aber Hamburg ist mein Zuhause. Für sieben Jahre lebte ich auch in gern Berlin. Ich mochte das Raue, das manchmal auch Zornige. Aber in Hamburg fühle ich mich wohler. Ich mag an den Hamburgern, dass sie kühl sind, im Sinne von: unaufgeregt. Hier zählt das gesprochene Wort, der Handschlag. Und als Hafenstadt ist Hamburg für mich das Tor zur Welt. Ich spüre die Offenheit. Und wenn ich mal Lust auf Berlin habe, mal ein paar Tage durchfeiern möchte – dann ist es ja nicht weit.

Wie sieht dein Alltag aus?

Alltag in dem Sinne kenne ich nicht. Ich kann arbeiten wie ein Tier und auch wunderbar gar nichts tun. Manchmal stehe ich morgens um vier auf und mache hochmotiviert Yoga. Oder ich starte eine vegane Woche, scheitere nach vier Tagen, habe schlechte Laune und beschließe, dass jetzt Vegetarisch einen Versuch wert ist. Ich lebe immer so, wie ich mich gerade fühle.

Wie wichtig ist dir Privatsphäre, die Wohnung als Rückzugsort?

Wahnsinnig wichtig. Ich habe gern gute Freunde bei mir, koche sehr gern und lade ein. Aber manchmal bin ich auch allein, schweige und genieße die Stille. Zwei Tage lang brauche ich dann kein Gerät anzuschalten, keine E-Mails, keine Musik, kein Fernsehen.

Welches Projekt beschäftigt dich zur Zeit am meisten?

Mein größtes Projekt bin ich momentan selbst. Nach zwanzig Jahren im Showbusiness ziehe ich eine Art Resümee: Was habe ich gemacht, was gelernt, was möchte ich noch machen? Sagen kann ich jetzt schon: Am kostbarsten ist Zeit. Kürzlich bin ich 35 Jahre alt geworden und sollte mich auf die Lebensmitte einstellen. Ich denke über eine eigene Familie nach – und, ja, ich frage mich: Wo ist mein persönlicher Platz an der Sonne? Meine guten Erfahrungen teile ich gern. Ich ernähre mich bewusst und berichte darüber. Ich versuche zu helfen und berichte darüber. Ich habe vor kurzem eine zehntägige Schweige-Meditation gemacht und berichte darüber. Alles was wir brauchen, ist in uns.

Vielen Dank für das Gespräch.

Tatort:

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Kategorie: Menschen
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