Veröffentlich am 2. März 2017 von Contentley

Bardéts Lieblinge
04.03. Film & Co


Bardéts Lieblinge
Filmkolumne

Andreas Bardét ist hauptberuflich Film Editor für Werbung und Spielfilme. Hin und wieder sagt er bei der Sendung „Kino+" auf „Rocketbeans.tv" seine Meinung – und jetzt auch bei CHAPEAU. Er mag Skateboards, alten Hip Hop und Möpse.

Von Leoparden und Brontosauriern

In den späten winterlichen 70er-Jahren sitze ich im Wohnzimmer meiner Eltern auf dem weichen Teppich. Vor mir läuft, auf dem Röhrenfernseher im Nachmittagsprogramm des ZDF, ein Film. Er ist schwarz-weiß und handelt irgendwie von einem verlorenen Dinosaurierknochen – saukomisch. Logisch, ich bin ja auch noch ein Kind, und von drolligen uralten US-Filmchen wie „Dick & Doof“, „Western von Gestern“ oder „Abbott & Costello treffen Frankenstein“ geprägt. Nun rennen hier also eine Frau und ein Mann durch die Nacht, auf der Suche nach dem Knochen – und einer Raubkatze namens „Baby“. Der Film heißt „Leoparden küsst man nicht“, und ich lache mich kaputt.

Zeitsprung in die Gegenwart. Eine schlaflose Nacht, das TV-Nachtprogramm lässt wie üblich zu wünschen übrig, auf Netflix habe ich alles Interessante bereits gesehen, was tun? Ach ja, da war doch dieser eine Film mit Cary Grant und Katharine Hepburn, den ich vor 35 Jahren so toll fand, wie heißt der noch gleich im Original? „Bringing Up Baby“. Aha – mal schauen, ob der noch etwas taugt. Ich werfe den Film ohne große Erwartungen an.

Hm, die Chemie zwischen Grant und Hepburn ist wirklich gut. Und das Timing in ihrem Spiel – die Geschwindigkeit, in der alles vonstattengeht. Diese lustigen Nebencharaktere! Und überhaupt: die ganze wilde Geschichte erst. Eine richtige Screwball Comedy, stimmt ja. Ich grinse. Der Film beginnt, mir langsam richtig gut zu gefallen. „Mr Bronto" geht ins Badezimmer, sieht den Leoparden, schlägt schreiend die Tür zu: Ich kichere. Hepburn streichelt den Leoparden wie eine Hauskatze – wie haben die das nur gemacht, ist der echt? Ab der Mitte des Films sitze ich allein in meiner dunklen Wohnung vor dem leuchtenden Laptop und schreie die Nachbarn wach vor Lachen. Das Ende auf dem Brontosaurus-Skelett, Wahnsinn! Das hätte ich wirklich nicht erwartet: ein Film, der mich so viele Jahre später immer noch komplett begeistert, Hut ab.
Merke: Kindheitserinnerungen müssen nicht immer verklärt sein! Und jetzt schnell schlafen gehen.

LEOPARDEN KÜSST MAN NICHT (1938)
97 Minuten, als DVD (€ 12,20) oder Blu-ray (€ 28,98), STUDIOCANAL


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