Im DIKA bieten wir sexy Brillen im coolen Umfeld

Interview mit Stefan Dieker

Mit dem Brillenladen „Die Diekers“ haben Eva und Stefan Dieker dem Thema Brille einen neuen, extravaganten Twist gegeben. Jetzt setzt der experimentierfreudige Optiker noch einen frischen mutigen Glanzpunkt drauf: Sein neuer Laden „ DIKA Eyewear “ präsentiert sich sehr jung, zeitgeistorientiert, stylisch und ökologisch orientiert. Ein unternehmerisches Wagnis oder ein logischer Schritt?

CHAPEAU ― Wie ist die Idee zu „DIKA Eyewear“ entstanden – ein plötzlicher Geistesblitz, oder bist du einfach der Zeit voraus?

Stefan Dieker ― Das Konzept ist jedenfalls keiner spontanen Schnapsidee entsprungen, sondern über Jahre gewachsen und gereift. Ich beobachte den Markt ganz genau und möchte auch Menschen ansprechen, die ich mit dem anderen Laden nicht erreiche. Wir bieten einem jungen, vielleicht unkonventionell orientiertem Publikum eine coole Alternative an.

Du bringst langjährige Erfahrungen aus einem Optiker-Großkonzern mit. Wie lief die Entwicklung vom Massenhersteller zum selbstständigen Individualisten?

Die Konzernstrategie hat mir viele Tore geöffnet. Was man in einem solchen Unternehmen lernt, nimmt man als Erfahrung in die Selbstständigkeit mit. Das ist sicher viel umfassender als das, was ein kleiner inhabergeführter Augenoptiker vermitteln kann – insbesondere in den Bereichen Marketing und Personalführung. Auch wie man Märkte beobachtet und Abläufe optimiert, lernt man bei einem Großkonzern. Was ich aus der Zeit mitgenommen habe, ist wichtiges Rüstzeug.

Hast du die Arbeit in der großen Firma schon mal vermisst?

Nein. Ich bin froh, dass ich den Schritt in die Selbstständigkeit gegangen bin und würde das immer wieder machen. Man ist zwar auch als Unternehmer nie ganz frei von Abhängigkeiten – aber wir können Dinge jetzt selbst in die Hand nehmen, eigene Entscheidungen treffen und Wünsche verwirklichen. Das hat schon bei „Die Diekers“ großen Spaß gemacht – und diesmal in einer noch ausgeprägteren Form.

Wie unterscheiden sich die Kunden von „Die Diekers“ und „DIKA“?

In „Die Diekers“ kommen vorrangig sogenannte „Best Ager“. Menschen, die außergewöhnliche, einzigartige Brillen mit einer extrem hohen Qualität und einem ausgesprochen hohen Sehkomfort erwerben wollen. Dagegen ist „DIKA“ vor allem für Junge und Junggebliebene konzipiert, die in einem coolen Umfeld eine sexy Brille kaufen wollen. Ein tolles Produkt zu einem bezahlbaren Preis.

Ist die Brille für die jungen Kunden denn mehr als eine Sehhilfe?

Für viele Menschen ist die Brille ein Accessoire, das zum Styling gehört. Wie eine Tasche, oder ein schöner Gürtel. Die Brille beeinflusst den Look sogar noch entscheidender als andere Modeartikel. Sie bestimmt Außendarstellung und Wirkung des Trägers mehr als die Jacke oder ein anderes Kleidungsstück. Eine neue Brille heißt komplett neues Aussehen. Sie definiert den Charakter. Darüber hinaus muss die Brille den gesteigerten Sehanforderungen gerecht werden. Die haben sich ja in den letzten 20 Jahren extrem verändert. Wir nutzen alle PCs und Handys, schauen darauf mit kurzen Distanzen. Viel mehr Leute als früher benötigen eine Brille, und die Zahlen gehen stetig nach oben. Gerade junge Menschen nutzen viele elektronische Medien, insofern ist die Brille für sie ein extrem wichtiges Produkt.

Der neue Laden bringt tatsächlich noch mehr Großstadtflair nach Oldenburg. Wenn ich mich hier so umschaue, könnten wir auch in einem Loft in Berlin oder Paris sitzen. Wie haltet Ihr es mit Qualität und Beratung?

Wir spielen hier vor allem das Thema „Fashion“ und bieten jungen Menschen ein Preissegment, in dem sie sich auch eine zweite oder dritte Brille kaufen können. Jeweils passend zum Outfit. Wir verkaufen qualitativ gute Glas-Produkte, aber wir werden hier keine so individuelle Beratung anbieten können wie bei „Die Diekers“. Dort haben wir technisch und produktspezifisch ganz andere Möglichkeiten. Hier arbeiten wir modisch, sehr ökologisch und auf Fairtrade ausgerichtet. Wir bieten ein Umfeld an, das im Handel nicht unbedingt typisch ist. Es gibt freies W-Lan, Handy-Ladestationen und Sounds, für die uns ein DJ aus Hamburg die Playlisten erstellt. Die Leute sollen sich hier gern aufhalten und wohlfühlen. So wollen wir den Online-Kunden wieder in den Offline- Modus bringen.

Mit welchen Preisen können die Kunden rechnen?

Mit der Preisgestaltung zwischen 199 Euro für eine komplette Einstärkenbrille und 469 Euro bei Gleitsicht liegen wir weit unter den Durchschnittspreisen der traditionellen Augenoptik. Darüber hinaus machen wir Angebote. Wer eine zweite oder dritte Brille kauft, bekommt die vergünstigt. Darüber hinaus bieten wir ein Brillen-Leasing an. Ab 8,50 Euro im Monat kann man eine Brille erstehen. Das sind halt Dinge, die uns einzigartig machen. Einen solchen Service kann der Online-Handel nicht bieten.

Ich sehe dort auf dem Tresen die Kaffeemaschine, die ich auch schon immer haben wollte. Passen Brillenverkauf und Kaffee zusammen?

Perfekt, sogar. Guter Kaffee bedeutet halt auch Lebensqualität. Wie gesagt, die Leute sollen sich hier gern aufhalten. Nicht nur eine Brille kaufen, sondern auch einen Kaffee genießen, eine kleine Spende geben. Wir veranstalten jedes halbe Jahr eine Spendenaktion, die wir „Face & Aid“ nennen. Die Einnahmen aus Kaffee-, „Fritz Kola“- und Etui-Verkauf geben wir dann an eine Organisation aus Oldenburg, stocken den Betrag bis auf tausend Euro auf.

Was steckt hinter dem ökologischen Aspekt von „DIKA“?

Wir haben bei der Einrichtung nachwachsende Rohstoffe verwendet und ausschließlich Handwerker verpflichtet, die solche Produkte verarbeiten. Wir beziehen Ökostrom von der EWE, nutzen Papier mit dem blauen Engel und bieten jedem Kunden, der mit dem Fahrrad kommt, fünf Prozent Rabatt. Wer das Auto zuhause lässt und mit dem Bus anreist, bekommt sein Ticket ersetzt. Nach Möglichkeit werden wir die Kaufbelege nicht auf Papier ausdrucken, sondern online versenden.

Gibt es schon Resonanz von Kunden?

Bei zwei Veranstaltungen mit vielen Gästen haben wir ausschließlich begeisterte Reaktionen erhalten, und zwar altersunabhängig. Das Konzept ist neu, der Laden hat schöne Räume. So etwas gab es in Oldenburg bislang nicht, und über die Stadtgrenzen hinaus wohl auch nicht. Ich freue mich sehr über Leute, die hier ihre Brillen kaufen, sich super wohl fühlen und das neue Konzept toll finden.

Wie viele deiner eigenen Ideen stecken hier drin, und wo hast du deine Inspirationen her?

Die Idee hatte ich schon vor vielen Jahren, das Konzept ist natürlich gewachsen. Ich gehe mit offenen Augen durch die Welt, schaue mir andere Städte, neue Konzepte an. Ein Konzept, das ich in den USA gesehen habe, hat mich nachhaltig begeistert. So etwas fließt dann natürlich auch hier ein. Zusammen mit den eigenen Ideen entsteht dann das, was jetzt daraus geworden ist. Eine ganz wichtige Rolle beim Ladenbau hat auch die Raumplanung von Susanne und Ludger Tovar eingenommen. Dessen Vorschläge habe ich spontan geteilt. Das Gleiche gilt für Matthias Glanz und seine Werbeagentur „schrift und form“, die den Außenauftritt gestaltet und das Logo entwickelt haben. Diese Menschen sind nicht nur sehr kreativ, sondern mir sehr nahe und befreundet. Wir ergänzen uns sehr gut, das beflügelt natürlich extrem.

Bist du mit dem Standort Oldenburg zufrieden?

Ich habe an vielen Ecken der Republik gelebt. Im Ruhrgebiet, im Schwarzwald, in Münster, in Köln und so weiter. Nach Oldenburg bin ich zum ersten Mal vor 23 Jahren gekommen, und das war ein riesiges Aha-Erlebnis. Es war Mai, die Sonne hat geschienen. Ich habe einen Sekt im Malör getrunken, eine Suppe bei Monse gegessen und gewusst, das ist meine Stadt. Das ist bis heute so geblieben. Ich habe viele soziale Kontakte, bin gut vernetzt und sage ganz ehrlich: Die Lebensqualität in Oldenburg ist schon einzigartig. Gerade auch, wenn man sich selbstständig machen möchte. Auf das alles würde ich nicht verzichten wollen.

Welche Zukunftsvisionen beschäftigen dich?

„DIKA“ steckt ja noch in den Kinderschuhen, und wir müssen sehen, wie sich das entwickelt. Aber irgendwann kann man den zweiten oder dritten Schritt planen. Ideen habe ich auch schon im Kopf, und die werden Form annehmen. Vorerst halte ich mich aber noch ein bisschen zurück, gehe konservativ an die Sachen heran.

Wer in den Laden kommt, hat gute Chancen, auf ein sehr bekanntes Oldenburger Gesicht zu treffen: Jonah kennen wir aus der Szene, aus Fotoausstellungen. Welche Aufgabe hat er hier?

Für ein Projekt wie „DIKA“ brauche ich Persönlichkeiten, die eine gewisse Bekanntheit in der Stadt haben und die das Thema Fashion selber leben. Jonah war von Anfang an die erste Wahl, und ich freue mich, dass ich ihn relativ schnell für die Idee gewinnen konnte. „DIKA“ ist ein Konzeptstore und nicht auf meine Person bezogen. Jonah leitet das Projekt für mich und ist das Gesicht des Ladens. Wir haben ihn augenoptisch ausgebildet und ihm eine Augenoptikerin zur Seite gestellt. Er wird allen gerecht, die Fashion in Verbindung mit einer guten Brille in guter Qualität erhalten wollen.
Kategorie: Lebensart
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