Veröffentlich am 7. Juni 2017 von Contentley

Klaus muss raus: Klaus von Due auf (Schlemmer-)Tour in Bremen
04.02. Reisen


Klaus muss raus: Klaus von Due auf (Schlemmer-)Tour in Bremen
Fotos: Contentley

Dieses Mal musste Klaus raus, weil er „weg“ sollte. Temporär, aber „jetzt“. In der Redaktion nicht länger im Weg rumstehen. Schnell zurück sein, wenn man ihn braucht. Und nicht so viel Geld ausgeben. Das klang nicht nach London, Paris, New York – und auch nicht nach „The Ritz“ und „Vendôme“. Es klang nach Bremen!

Also rasch den Weekender gegriffen, ab zum Bahnhof und in Bremen vom Bahnhof die paar Minuten in das „Parkhotel“ gelaufen. Zu sagen, der Fußweg zum Hotel und der dabei beständige Blick auf dasselbe, seien das Beste daran, klingt witzig, stimmt aber nicht. Ja – das Haus sah schon bessere Zeiten. In den frühen 90ern verbaute dort Konrad Ellerhorst, der so exaltierte wie berühmte Bremer Innenarchitekt, dort Millionen. Und man war beeindruckt von „Hollywood Regency“ (also von Stilmobiliar, Spiegeln, Plexiglas und Gold, Gold, Gold). Spät, aber endlich, an der Weser, und die Gäste kamen. Zimmer, Küche und Keller standen in prächtigster Blüte – und irgendwann ging’s dann bergab.

Parkhotel Bremen - Hotel-Bar

Nun ist seit einigen Jahren der Eigentümerwechsel vollzogen, langsam wird der Investitionsstau aufgedröselt, und ich stelle bei der Anmeldung fest, dass nicht nur der Weg das Ziel war: Herzlichkeit, Verbindlichkeit, Strahlen, ein schönes Zimmer mit schönem Blick über den Bürgerpark empfangen mich. Die Bar ist immer noch schön, die Bartender (wenig überraschend) sind immer noch kompetent, sympathisch und gutaussehend – was will ich mehr? Einen Prince of Wales. Wenn möglich, stilecht im Silberbecher. Wunderbar!

Innerlich aufgerichtet, geht es nun in die Stadt, wieder zu Fuß. Und wieder in eine Markthalle, und zwar die „Markthalle 8“ am Domshof. Ziemlich neu, teils noch im Aufbau, bietet sie eine Menge fürs Auge, das Meiste jedoch für den Magen: frische Austern, Craft Beer, spanische Tapas, syrische Falafel, Hummus und Fatah. Es gibt Popcorn in allen Varianten bei Gold Corn, klasse Street Food bei unseren Freunden von den Geschmacksträgern, frische Säfte, Spitzen-Kaffee … denken Sie sich was aus. Natürlich merke ich, dass alles neu ist, vieles noch nicht so rund läuft (ich habe Socken, die älter sind als die meisten Beschäftigten), aber auch, dass der Grad der Begeisterung, das bedingungslose Bekenntnis zur Qualität und das wohltuende (nämlich relativ niedrige) Preisniveau authentisch, echt und erlebbar sind. Ich hätte böswillig an die Sache herangehen müssen, um für ein gutes, wirklich gutes Mittagessen mehr als zwanzig Euro auszugeben.

„Markthalle 8“ – jung, authentisch und vielseitig – bietet eine Menge fürs Auge und für den Magen
Lage und Nachbarschaft (genauso neu: Manufactum – der Himmel auf Erden für besserverdienende Gutmenschen) ziehen ein gutes Publikum an, nahezu jeden Alters, durchgängig angenehm – und teilweise auch sehenswert. Immer sehenswert: Manufactum. Ein Riesenladen im phantastischen Baudenkmal der ehemaligen Kassenhalle der Bremer Bank mit einem schier uferlosen Sortiment und voll, voll, voll. Als wäre es ein Discounter! Natürlich im Sortiment, kaufe ich meinen „Alten Hullmann“ trotzdem in Oldenburg; schon weil er dort bloß die Hälfte kostet.

Geradezu enthusiasmiert von meinem Traumstart in einer von mir bisher nicht übermäßig geliebten Stadt, zieht es mich Richtung Kontorhaus, zum „Topaz“. Das ist (offenbar seit Jahren) die „SPITZ-Weinbar by Topaz“ und sehr schnell erkennbar mehr als nur ein Kompromiss. Wein, Wein, Wein, eine tolle Beratung in einem herrlich schlicht-wertvollen Umfeld, leckere Kleinigkeiten von einer übersichtlichen Speisenkarte (Dim Sum, die ich so und hier nicht erwartet hätte, ein ausgezeichnetes Sashimi vom Schwertfisch) – ehrlich: allein das ist schon eine Reise wert. Mein Eindruck darüber hinaus: Es ist völlig gleichgültig, ob sich Ivo oder Nina kümmern, ob ich Henner Fischer, den Küchenchef, kenne oder nicht. Auch schön, wenn man nicht ständig vor Ort ist und eine echte Beziehung gar nicht aufbauen kann (oder möchte).

Zurück zum Hotel, mit Schlenker über Contrescarpe und Bierpause im „Platzhirsch“. Blick auf das Theater am Goetheplatz (oder in den erfrischend klar wirkenden Innenraum), in die Speisekarte voller bayrischer Schmankerl, in die Getränkekarte voller Bier. Dann ein, zwei Bier getrunken und bewundernd registriert: Hier arbeiten Kellnerinnen und Kellner! Zupackend, kompetent, erwachsen. Und schnell! Ob der Laden eine Reise wert ist, will ich mal offenlassen; aber eine Reise dort zu unterbrechen: wunderbar.

Als ich mich im Hotel für den Abend rüste, fällt mir ein: Du gehst ja ins „Kleine Lokal“! Du bist in Bremen! Fort mit Krawatte und Goldrandbrille, her mit Strickjacke und handgesägter (hoffe ich doch) Hornbrille … Taxi bestellt, um Zeit für ein Gläschen Schaumwein gebeten – und ab geht’s. Für mich ins Paradies! Wobei der Laden unprätentiös bis unscheinbar ist und – nomen est omen – klein. Sehr klein. Sie wollen es wissen? Wirklich wissen? Exzellente Gänsestopfleber. Dickes, cremiges, reiches Hummersüppchen. Kalbsrücken und -leber, hier mit Ingwer: ein Knaller. Dazu eine Weinkarte „mit Handschrift“, Schwerpunkt Bordeaux, was perfekt zur Küche passt. Unbedingt wiederholen, unbedingt wieder reservieren!

Das „Kleine Lokal“ – auf den ersten Blick unscheinbar, auf den zweiten ein echter Knaller!

Anderntags, beim Frühstück, fällt für mich alles aus. Wie immer. Also alles außer Kaffee und Zigaretten. Dafür geht’s zeitig in „Grasshoff’s Bistro“. Herrlich! Geburtstagswetter, Publikum in Hülle und Fülle und der Eindruck: Bremen ist reich. Hier ein brillantverkrustetes Handgelenk, dort ein nicht mehr taufrischer Hals. Damen, die nicht nur zeigen, was sie haben, sondern auch wissen, wann, zeigen Tahiti- und Südseeperlen, gerne Big Hair, die korrespondierenden Herren das, was Stiesing und Hautop so für Geld (und weniger gute Worte) hergeben. Wein und Schaumwein fließen reichlich, die Küche hält, was Karte und auf Nachbartischen Erspähtes versprechen. Ein Tipp: Zeit mitbringen! Nicht weil alles ewig dauert (im Gegenteil!), nein, weil es so viel zu entdecken gibt. Und: Geld mitbringen! Aus dem gleichen Grunde.

Auch schön: das „Q1“ danach. Oldenburger denken an das „Bestial 2.0“, dann haben Sie Ambiente, Angebot und Mitarbeiter klar vor Augen. Ähnliche Weite, ähnliche Entspanntheit und hier und da Gäste, die sich zumindest für schön und reich halten. Von dort zum „Ratskeller“ ist es nun wirklich bloß ein Katzensprung. Für das, was Sie dort erleben können, ein „Time Warp“. Nein, nein: nicht die Gastlichkeit (wobei, von mir aus auch die). Sondern der Weinkeller! Der größte Europas, mit Sachen – ich träume heute noch davon. Machen Sie die Führung! Fühlen Sie sich nicht wie ein Tourist! Vertrauen Sie mir! Spätestens das Finale im Apostelkeller mit seinen uralten Tropfen (1653 ist der älteste Wein gekeltert worden; alles ist trinkbar), die, je nach gelöstem Ticket verkostet werden, wird Sie Ihrem Herrgott auf Knien danken lassen.

Inzwischen reiften in mir die Pläne für den Abend. Das „El Mundo“, draußen am Hafen gelegen, oder auch das „Leander“ im GOP sollen es sein. Ersteres beeindruckt durch schiere Größe und den gut eingespielten Ablauf, das gute Angebot, die ambitionierten Preise – die aber, ganz offensichtlich, für angemessen gehalten werden. Und sind. Was angesichts des ungebrochenen Fleischtrends Hans und Franz auch in Klein-Kleckersdorf wollen (nämlich US-Prime Beef, Dry Aged usw.): Hier kann man’s. Gefühlter zweitausend Plätze zum Trotz: Reservieren! Was auch fürs „Leander“ gilt, jenes vollkommen unterschätzte Restaurant im GOP. Was Holger Melchert mit seinem Team hier zaubert, ist fürs Geld unbegreiflich! Service alter Schule, Speisen behutsam Richtung 2017 entwickelt, erschreckt hier nichts, ist alles nur absolut hochwertig, auf den Punkt und lecker! Gerade in Verbindung mit der jeweils aktuellen Show ist es auch die berühmte Reise wert.

Bin nun seit einiger Zeit zurück. Aber (gar nicht mal heimlich) schon dreimal wieder dort gewesen. In Bremen.


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