Lebensart KÖNIG DER WEISSWEINE

KÖNIG DER WEISSWEINE

Interview mit Nik Weis

Wer deutschen Riesling zu schätzen weiß, kommt an Nik Weis nicht vorbei. Als quasi geborener Winzer betreibt er an der Mosel in dritter Generation das Weingut „Nik Weis St. Urbans-Hof“ und produziert auf 35 Hektar Schiefersteilanlagen an der Mosel ausschließlich Riesling-Weine der Spitzenklasse. Gegenüber CHAPEAU hält Nik Weis ein leidenschaftliches Plädoyer für die deutsche Rebsorte schlechthin.

Info – Das Weingut „Nik Weis St. Urbans-Hof“ liegt im Anbaugebiet Mosel und ist bekannt für seine Spitzenweine der Sorte Riesling. Gegründet wurde das Gut von Nicolaus Weis im Jahr 1947, als der Weinbau in Deutschland infolge des Zweiten Weltkrieges am Boden lag. Die ersten Weinberge des Hofes befanden sich aber bereits seit Jahrhunderten im Familienbesitz. Nicolas Weis, Jahrgang 1905, errichtete nach der Gründung des Weinguts die ersten Keller und ein Gutshaus auf einer Anhöhe bei Leiwen. Für die Verdienste um den Wiederaufbau des deutschen Weinbaus wurde Nicolaus Weis der seltene Titel „Ökonomierat“ verliehen, der bis heute im Namen des Weinguts geführt wird. Nach Nicolaus’ Sohn Wilhelm ist es jetzt Enkel Nik (Nikolaus) Weis, der das Weingut in nunmehr dritter Generation führt. Nik und seine Frau Daniela haben zwei Kinder, und die Familie bewirtschaftet mittlerweile drei Mosel- und drei Saarlagen mit rund 40 Hektar Rebfläche. Ihre Weine weisen aufgrund der breit gefächerten Einzellagen eigenständige und ausdrucksstarke Charaktere auf und werden auch in verschiedene Länder exportiert.

CHAPEAU: Euer Weingut ist nach dem zweiten Weltkrieg von deinem Großvater gegründet worden. Du bist also mit Weinanbau groß geworden?

NIK WEIS:
Meine Familie wohnt im Weingut, und dort bin ich aufgewachsen. Da bekommt man alle Aspekte des Weinbaus mit. Man wächst mit dem Wechsel der Jahreszeiten genauso auf wie mit den Arbeiten im Weinberg und im Keller. Schon als Kind habe ich im Keller, im Kulturhaus, in der Maschinenhalle und im Lager gespielt.

CHAPEAU: War immer klar, dass du den Betrieb weiterführen wirst?

NIK WEIS:
Ich habe drei Schwestern. Die älteste, Christine, sollte auch im Vertrieb mitmachen und hat in Geisenheim im Rheingau Weinbau und Kellerwirtschaft studiert. Dort hat sie aber ihren Mann kennengelernt, der in der Pfalz ein Weingut hat, und ist mit ihm dorthin gezogen. Meine jüngste Schwester ist in die gehobene Gastronomie gegangen. Durch sie habe ich die feine Küche und die Kultur der Gourmetszene kenngelernt. Das hat mich fasziniert. Seitdem wollte ich Weine machen, die etwas Besonderes sind und an besonderen Orten getrunken werden.

„Moselweine sind die Sportwagen unter den Weißweinen der Welt. Sie haben einen Rahmen in Leichtbauweise und obendrauf eine besonders schöne, elegante und beeindruckende Karosserie.“

CHAPEAU: Wie kam das Weingut zu seinem Namen „Nik Weis St. Urbans-Hof“?

NIK WEIS:
Mein Großvater hieß Nicolaus Weis, aber er wollte sein Weingut nicht einfach nur „Nic Weis“ nennen. Er wollte dem Ort und dem Gut einen besonderen Namen geben und nannte es nach dem christlichen Schutzpatron der Winzer, dem Heiligen Urban.

CHAPEAU: Arbeitest du noch nach den Methoden und Prinzipien deines Großvaters?

NIK WEIS:
Zu Zeiten meines Großvaters stand vor allem die Produktivität des Weingutes im Vordergrund. Nach dem Krieg mussten die Leute ihre Familien ernähren, und da ging es vor allem darum, gewisse Mengen zu ernten. Dennoch waren die Weine damals schon sehr gut. Ich habe die Erträge weiter runter gefahren und, wie vorher auch schon mein Vater Hermann, gute Parzellen in Spitzenlagen dazu gekauft. Außerdem habe ich am Weinbau wie auch im Keller etwas Feintuning durchgeführt. Im Großen und Ganzen kann man aber sagen, dass wir einen intensiven Weinbau nach alter Väter Sitte betreiben. Das ist zwar aufwendig, aber für die Qualität am besten.

CHAPEAU: Wie schwer ist es in Deutschland, Spitzenweine zu produzieren und sich gegen den Massenmarkt zu behaupten?

NIK WEIS:
Im Bereich Weißwein ist Deutschland gerade mit der Rebsorte Riesling immer schon ein Land des Spitzenweines gewesen. Der Riesling ist eine Art Nischen-Rebsorte. Wenn man seine Besonderheiten richtig ausspielt, ist man im Grunde genommen konkurrenzlos.

CHAPEAU: Ist das der Grund, warum du ausschließlich auf die Sorte Riesling setzt?

NIK WEIS:
Der Riesling ist der König der Weißweine. An der Mosel findet diese Sorte die weltweit besten Bedingungen. Warum also etwas machen, was andere auch tun oder besser können? Ich muss allerdings zugeben, dass ich in den letzten Jahren ein wenig mit anderen Rebsorten experimentiert habe. Just for fun. Das macht mir Spaß!

„ Im Großen und Ganzen betreiben wir einen intensiven Weinbau nach alter Väter Sitte.“

CHAPEAU: Gilt Riesling in anderen Ländern als die deutsche Weinsorte schlechthin?

NIK WEIS :
Ja, das kann man so sagen. Deutschland wird besonders mit Riesling in Verbindung gebracht und umgekehrt. Man sollte aber nicht vergessen, dass es auch andere tolle Weine aus anderen Rebsorten in Deutschland gibt. Bei der Pinot-Noir-Produktion zum Beispiel rangiert Deutschland auf Platz drei in der Welt.

CHAPEAU: Welches Ansehen genießen deutsche Weine im Ausland?

NIK WEIS:
Das ist sehr unterschiedlich. In manchen Ländern war der Ruf durch die massenhafte Produktion von deutschen Billigweinen ruiniert worden. Spitzenerzeuger haben es geschafft, das Image teilweise wieder deutlich aufzupolieren. In anderen Ländern bedarf es da noch an mehr Engagement und Arbeit, aber wir sind auf einem sehr guten Weg.

CHAPEAU: Was ist das Spezifische am Moselwein und was unterscheidet ihn von anderen Weinbaugebieten in Deutschland?

NIK WEIS:
Moselweine sind die Sportwagen unter den Weißweinen der Welt. Sie haben einen Rahmen in Leichtbauweise und obendrauf eine besonders schöne, elegante und beeindruckende Karosserie. Sie bringen mit weniger Alkohol mehr Geschmack auf die Zunge als andere Weißweine und haben einen starken Herkunftscharakter. Das ist etwas ganz Besonderes. Darüber hinaus sind sie sehr lange haltbar, können also Jahrzehnte reifen – wie manche Rotweine.

CHAPEAU: Was bedeutet der Begriff „Spontangärung“, und was ist der Unterschied zu anderen Gärungsmethoden?

NIK WEIS:
Wir setzen unseren Weinen keine sogenannten Reinzuchthefen zu. Damit würde nur ein einziger Hefestamm den Weinen seine Gär-Aromatik aufdrücken. Wir lassen die Hefen, die von Natur aus im Most sind, die Gärung übernehmen. Da gären von Beginn an verschiedene Hefestämme drauf los. Dadurch entstehen mehr unterschiedliche und interessantere Aromen. Das gibt den Weinen mehr Charakter.

CHAPEAU: Wie würdest du deine persönliche Anbau-Philosophie beschreiben?

KEITH CARRADINE:
Mein Credo lautet: Mit der Natur und nicht gegen sie. Wir arbeiten im Weinberg ökologisch. Außerdem ist mir wichtig, dass der Boden ordentlich bearbeitet wird, damit die Weine eine gute Mineralität bekommen. Das ist die Struktur im Geschmack, und die erinnert an eine gewisse salzige Note. Dann lassen wir die Trauben lange reifen, um möglichst viele Aromen entstehen zu lassen.

CHAPEAU: Man hört von einigen Winzern, dass die Jahrgänge angesichts moderner Verarbeitungsmethoden keine so entscheidende Rolle mehr spielen wie früher. Wie abhängig bis du vom richtigen „Weinwetter“?

NIK WEIS:
Die meisten deutschen Weinbaugebiete liegen in der Westwindzone. Das Wetter kommt also vom Atlantik, und da verläuft das Wetter jedes Jahr anders. Das schenkt uns große Unterschiede bei den Jahrgänge. Gott sei Dank, sonst wäre es langweilig. Allerdings bemerken wir in den letzten 25 Jahren eine Klimaveränderung. Bisher für uns zum Guten.

„ Wir arbeiten mit der Natur, nicht gegen sie.“

CHAPEAU: Wie gehst du mit dem Klimawandel um?

NIK WEIS:
Wir haben in den letzten Jahren oft früher mit der Lese begonnen. Ich kann mich an Jahre erinnern, da lief die Lese bis Mitte-Ende November. Heute sind wir meistens schon Anfang November mit der Lese fertig.

CHAPEAU: Hast du einen Lieblings-Jahrgang unter deinen Weinen?

NIK WEIS:
Ja! Mein Geburtsjahr 1971 war ziemlich gut.

„ Wenn man an der Mosel die Besonderheiten des Rieslings ausspielt, ist man konkurrenzlos.“

CHAPEAU: Was wünschst du dir für die Zukunft?

NIK WEIS:
Gesundheit, Frieden, keine starken Wetterextreme – und ständig mehr Moselwein-Liebhaber.

Danke für das nette Gespräch!

Kategorie: Lebensart
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